Oberflächenmessstationen
DIN 4150 Erschütterungsnetzwerk (DEN)
Bohrloch- und Oberflächenmessstationen
Seismisches Ortungsnetzwerk (SON)
Epizentrum
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"Anwohner in Gefahr?" Ein Experte im Interview.

"Erschütterungen sind selten und recht schwach", stellt Prof. Dr. Manfred Joswig fest. Der Experte für seismische Ereignisse leitet an der Universität Stuttgart das Institut für Geophysik. Im Interview berichtet er von naturbedingten Erschütterungen und solchen, die möglicherweise von Menschen ausgelöst wurden. Er erklärt, wie exakte Messungen und systematische Datenerfassung dabei helfen, diese Ereignisse zu erforschen, die bei uns nur vereinzelt die Schwelle der menschlichen Wahrnehmung erreichen – und warum sie in den Förderfeldern der Norddeutschen Tiefebene nach seiner wissenschaftlichen Beurteilung keine Gefahr bedeuten.

Das Interview wurde im wissenschaftlichen Original-Wortlaut belassen. Nähere Erläuterungen finden Sie rechts unter den Stichworten Fachbegriffe und FAQ.

Weshalb ist die Ursachenforschung bei Erschütterungen so schwierig?

Prof. Joswig: Bei seismischen Ereignissen kann zwischen natürlichen, also tektonisch bedingten Beben und induzierten Bruchprozessen unterschieden werden. Zwar kann es durch die Erdgasförderung wie auch durch andere Aktivitäten im Untergrund grundsätzlich zu geringfügigen Verschiebungen und Spannungsaufbau der unter der Erdoberfläche liegenden Gesteinsschichten kommen. Aber auch in sogenannten aseismischen Gebieten wie der Norddeutschen Tiefebene treten vereinzelt tektonische Beben auf. In der Wissenschaft werden deshalb eine ganze Reihe von Kriterien diskutiert, wie induzierte Seismizität nachgewiesen werden kann. Da für die Seismizität in der Norddeutschen Tiefebene viele dieser Herd-Parameter noch nicht bekannt sind, gilt es jetzt eine belastbare Datengrundlage zu schaffen.

Wie trägt das neue Messsystem der deutschen Erdgasproduzenten dazu bei?

Prof. Joswig: Das seismische Überwachungsnetz der Erdgasproduzenten erfasst wichtige Daten wie die Lage und die Tiefe eines Erschütterungsherdes (Epizentrum bzw. Hypozentrum), seine Abstrahlcharakteristik für die Herdflächen- und Herdmechanismusbestimmung sowie die für die Wahrnehmung an der Oberfläche relevante Schwinggeschwindigkeit. Nach der Inbetriebnahme im Jahr 2007 wurde das System zur Verbesserung der Empfindlichkeit und Messgenauigkeit ausgebaut. Die Standorte der oberirdischen Messstationen wurden optimiert und ein seismologisches Ortungsnetz mit Bohrlochseismometern errichtet.

Machen sich diese seismischen Ereignisse an der Erdoberfläche bemerkbar? Besteht für die Anwohner in der Nähe von Erdgasfeldern eine Gefahr?

Prof. Joswig: Erschütterungen, die möglicherweise im Zusammenhang mit der Erd­gasförderung stehen, sind selten und recht schwach. In vereinzelten Fällen kann die Seismizität an der Erdoberfläche spürbar sein und die Menschen aufschrecken. Die beobachteten oberirdischen Schwinggeschwindigkeiten liegen jedoch klar unter dem Wert, bei dem nach DIN 4150 von strukturellen Gebäudeschäden auszugehen ist.

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